Im August und September braucht man gar nicht viele Worte, um etwas zum Thema Mobiles Leben los zu werden. Das eigens aufgenommene bewegte Bild ist gefragt. Beim Wettbewerb „Young Mobile Films“ kann man einfach seinen Handy- oder sonstigen Amateurfilm einsenden und los geht’s: Mehr dazu unter
Hier mal ein abstrakt gemeinter Beitrag über eine außerordentlich klimaschonende Fortbewegungsweise, leider für den Menschen zur Nachahmung nicht effektiv genug. Aber trotzdem: Film ab!
Heir einige Infos zum Fahrplan der EU in Sachen nachhaltige Mobilität:
In China und anderen Ländern mit hohem Wachstum, die eine weniger strenge Gesetzgebung zur Luftreinhaltung als die EU haben, ist ein starker Anstieg privater Verkehrsmitteln festzustellen. Dieser Erfolg gibt Anlass, sich über die Umweltauswirkungen – wie Staubildung, Luftverschmutzung, durch Fahrzeugnutzung bedingte Krankheiten und Lärmbelastung – ernsthaft Sorgen zu machen.
Hinzu kommt, dass 90 Prozent des Straßen-, Schienen-, Luft- und Seeverkehrs von Öl abhängig sind, obwohl diese Rohstoffquelle langsam versiegt. Nach 100 Jahren Erdölgewinnung werden nur noch wenige neue Erdölreserven gefunden. Sollte das Angebot zurückgehen und die Nachfrage weiterhin ansteigen, wird die Welt einen ernsten Ölmangel erleben. Dies könnte auch, Experten zufolge, zu einem erheblichen Anstieg der Ölpreise führen.
Diese Erwägungen haben die EU dazu veranlasst, das Ziel der Entkoppelung von Wirtschafts- und Verkehrswachstum zu formulieren. Die EU hat bereits Gesetzesentwürfe- und initiativen vorgelegt, die den Umstieg auf umweltverträglichere Autos vorantreiben, und gleichzeitig nachhaltige Beförderungsmittel und den Umstieg auf andere Verkehrsmittel (Züge, Binnenschifffahrt, öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder), fördern sollen (siehe auch unser LinksDossier zur nachhaltigen Mobilität).
Das Interesse an umweltverträglicheren Fahrzeugen und Treibstoffen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Der Ausstoß aus Benzin- und Dieselmotoren ist im Laufe des letzten Jahrzehnts, nicht zuletzt aufgrund der EU-Gesetzgebung, erheblich zurückgegangen und wird auch künftig weiter zurückgehen.
Seit neuestem stellt die Stadt Paris mehr als 10.000 Mieträder zur Verfügung. Damit entpuppt sich die französische Hauptstadt als Schlaraffenland für Fahrradlose, denn die Mietgebühr beträgt läppische 30 Euro im Jahr. An 750 Stationen in der Stadt kann der Mieter sein Rad danach wieder abgeben.
Paris toppt also mal eben Berlin, in dem ja immerhin auch die silber-roten Leih-Flitzer der Bahn angeboten werden.
Besonders auf Reisen befindliche Amerikaner trifft kann man euphorisch radelnd auf Berliner Straßen an. Im Sommer versteht sich. Am liebsten sind sie – mit einem Guide und in Grüppchen – anscheinend in Mitte unterwegs. Tja ja, zum ersten Mal ein City Centre ohne Auto zu befahren kann ganz schön aufregend sein!
„Lost in Transportation“. Ein Titel, unter dem der Bericht einer NGO namens „CEE Bankwatch Network“ im März 2007 veröffentlicht wurde. Der Autor dokumentiert die Verwendung von 112 Millionen Euro, durch dieEuropäischen Investitionsbank (EIB).
Genauer gesagt, die Summe, die im Zeitraum von 1996 bis 2005 in europäische Transport-Aufgaben investiert wurde.
„Yet, as this report details, the EIB’s transport related operations follow the EU’s transport policy selectively at best, and more often jeopardize than contribute to the achievement of specific Community commitments such as those on combating climate change or limiting the environmental impacts of the transport sector.”
Ein Zitat aus der Einleitung als kleiner Vorgeschmack auf das Dokument, das im Netz zum ansehen oder herunterladen bereit steht:
Fazit des Berichts: Die zur Verfügung gestellten Mittel wurden anders eingesetzt, als man sich das zu Zeiten des Klimawandels wünscht. Recherchen haben ergeben, dass die EIB der Auto-Industrie einen dreimal so hohen Betrag leiht als sie den restlichen industriellen Transport-Sektoren zukommen überweist.
31% der gesamten EIB-Gelder flossen, so der Bericht, weltweit in die Automobil-Branche. Das finden die Autoren unfair und mahnen an:
Die Verteilung der Mittel wurde den Transport-Prioritäten der EU vorne und hinten nicht gerecht, weil die EIB die fortschrittlichsten, umweltschonendsten Transportmittel – den Schienenverkehr und das öffentliche Transportwesen allgemein – vernachlässigt habe. Auch die vom EIB ermöglichte Investitionen in den Luftfahrt-Sektor als „already heavily subsidised and the fastest-growing source of CO2 emissions in the EU“ seien fernab von EU-Interessen und einer gerechten Verteilung nach umweltpolitischen Maßstäben. Die Fluggesellschaften bekamen demnach die größten Stückchen des Kuchens ab.
Eigentlich sollten die Fördergelder ganz anders verteilt werden.
Die Förderung der Schienenwege, der öffentlichen Verkehrsmittel in den Städten, des intermodalen Transport und der Investition in die Forschung und Entwicklung umweltschonender und sicherer Technologien- das sei das Paket, was die EIB finanziell zu tragen habe, findet die kritische NGO.
Laura Palmer aus Lynchs Twin Peaks ist ja die angebliche schönste Leiche der Hollywood-Filmgeschichte.
Aber Louis Palmer – das ist wieder jemand anderes:
Am 3. Juli ist der Abenteurer mit seinem Solar-Taxi mit maximal 90 km/h in Luzern los gedüst.
Ein Kindheitstraum wird für ihn wahr, wenn er, unterstützt von Sponsoren, für 16 Monate auf Weltreise geht.
Auf dem Anhänger, den Louis von Stadt zu Stadt hinter sich herzieht, befinden sich Solarzellen, zwei Hochleistungsbatterien im Gefährt liefern den Strom für sein Mobil. Wenn man mal Louis’ Reiseberichte der vergangenen Jahre liest, ist er eigentlich das wandelnde Beispiel für ein Modell der so genannten Multimodalität, der Fortbewegung mit unterschiedlichen Verkehrsträgern:
* 1994/5 fuhr er mit dem Fahrrad 10.180 km durch Afrika
* 1996 Flog er 6000 km über den USA in einem Ultra-Leicht-Flugzeug * 1998 Überquerte er Argentinien, Uruguay und Brasilien mit dem kleinsten Flugzeug (ebenfalls ein Ultralight Airplane), das jemals über Südamerika geflogen ist *1999 nahm er am World Solar Challenge in Australien teil (bei dem man „mit Teams aus 20 Ländern beweisen wollte dass es auch ohne fossile Brennstoffe vorwärts geht“)
* 2001 fuhr er mit dem Auto (uiuiu, das passt aber nicht so gut zum klimafreundlichen Motto!) Von Luzern nach Nepal
Sein Motto: No petrol? No problem.
Und: Mein Ziel ist es zu beweisen, dass man mit solch einem Fahrzeug sogar um die Erde fahren kann. Betrieben mit der Kraft der Sonne. Start: Anfang Juli 2007 in Luzern. 50′000km. 50 Länder. 15 Monate. 5 Kontinente.
Mehr Infos zum Solar-Taxi, Bilder und Vodcasts über die Mobilitäts-Rekorden des mutigen Louis finden Sie unter:
„Mit dem Boot da! Nee! Damit fahre ich nicht. In so ner Nussschale doch nicht!“ meinte meine Freundin Jenny damals bei Klassenausflug im Hamburger Hafen. Empört drehte sich darauf ein bäriger Mann im Strickpulli zu uns um: „Boaarkasse heißt doas!“ Von jenem Tag an wussten wir ein für alle Mal, dass die Nussschale keine Nussschale ist, sondern eben eine Barkasse.
Für uns war es damals etwas besonderes, dass wir mit dem Boot fahren wollten. Denn die gewöhnliche Landratte vergisst die Schifffahrt als mögliche Variante der Fortbewegungsweise schon einmal. Autofahrt, Bahnfahrt, Busfahrt und Radfahrt zieht sie eigentlich eher in Betracht. Abgesehen von Ausflugstouren und Seevergnügen der besonderer Art bewegen sich im Großen und Ganzen doch eher Güter als Menschen auf dem Meer. Ganz anders sieht es da beim Güterverkehr aus. Die Container-Schifffahrt boomt. Nicht nur die Weltflotte und die Schiffe sind so groß wie noch nie, sondern auch die Häfen platzen aus allen Nähten.
Die Containerbranche zählt zu den florierendsten Wirtschaftzweigen der letzten Jahre. In den weltgrößten Containerhäfen Hongkong und Singapur werden im Jahr mehr als 23 Millionen TEU (20-Fuß Standard-Container) umgeschlagen. Und die Häfen wachsten ständig weiter. Der Hamburger Hafen, mit 8,9 Millionen TEU Jahresumschlag in 2006 der achtgrößte Containerhafen der Welt, legt beim Containerumschlag ständig in zweistelligen Raten zu.
Hier einige Zahlen zur europäische Schifffahrt:
25% der Weltflotte segelt unter der Flagge eines EU-Mitgliedstaates.
Insgesamt 40% der Flotte wird von den EU-Unternehmen kontrolliert, fast 90% der Exportgüter und 40% der innereuropäischen Güter werden auf dem Seewege transportiert.
Ungefähr 1 Milliarde Tonnen Erdöl passieren Jahr EU-Häfen und europäische Gewässer.
Jährlich werden 350 Millionen Passagiere von europäischen Schiffen befördert.
Und – die Schattenseite der Seefahrt: Jährlich verunglücken über 1000 Schiffe und 3000 Menschen kommen ums Leben.
Wenn Schiffe gegen internationale Sicherheitsregeln verstoßen und tonnenweise Dreck zu Wasser lassen, hat das verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und schädigt die Fischerei- und Tourismusbranche. 2002 geriet der Tanker „Prestige“ vor der Spanischen Küste in Seenot. Er verlor mehr als 63.000 Tonnen Schweröl und verursachte die bislang schlimmste Umweltkatastrophe Spaniens.
Luftaufnahmen von schwarzen Ölteppichen hat man da vor Augen. Neuerdings versucht die EMSA – die Europäische Agentur zur Sicherheit des Seeverkehrs – mit Satellitenbildern, Sündenböcke aufzuspüren und zur Verantwortung zu ziehen. Zu spät für die Umwelt natürlich, aber zur Vermeidung Minderung der Verschmutzungen allgemein sicherlich ein kleiner Schritt nach vorn.
Kreuzfahrtschiffe! Die schwimmenden Komfort-Hotels und deren Auswirkungen auf das Klima sind wieder ein neuer Themenabschnit…
Mit dem Wirtschafts-Artikel „Ökoshow der Kerosinfresser“ druckt der Spiegel eine recht eindrucksvolle Überschrift zum Thema Luftfahrtbranche und Klimawandel.
Oder besser gesagt zum Thema Luftfahrt und Öko-Werbung. Hier zunächst die gemeinte Passage, damit Sie im Bilde sind:
LUFTFAHRTMESSE LE BOURGET
Schon hat Rutter die Faltkarte gezückt, die die Fluglinie seit kurzem bei Brechtüte und Bordinformationen in den Rückenlehnen der Vordersitze mit verstaut hat: das „eco-label“. Darin können die Fluggäste genau nachlesen,wie sehr sie auf ihrer Reise gerade Luft verschmutzen. Co2-Ausstoß pro Sitz fürs Gesamtflugzeug, auch der Lärm wird gemessen. Um die wilden Zahlnereihen und Erklärungen irgendwie anschaulich zu machen, gibt es in allen Kategoiren Bewertungen von A…. bis F…, die zur Sicherheit auch noch farbig rot bis grün unterlegt sind. Draußen donnern derweil allerlei schnittige Jets mit ohrenbetäubendem Lärm vorbei, sie fliegen wilde Pirouetten…
Die Branche und die zuständigen Politiker stellen ihr grünes Gewissen zur Schau, Grashalme, Blumen und grüne Wälder schmücken ihre Präsentationen.
Und natürlich. Mit dem Wandel des Klimas verändert sich schleichend auch die Werbung. Was nicht mehr ins Bild der sanften grünen Revolution paßt, wird passend gemacht. Bio-Lebensmittel, Bio-Mode und Natur-Kosmetik dienen allesamt als Beispiele für eine nachvollziehbare „Ökologisierung“ unserer Lebensbereiche. Solange drinnen ist, was drauf steht, versteht sich. (Und darin – in der Verifizierung der Herkunft dieser Produkte- liegt manchmal das Problem).
Mit einem „eco-label-Programm“ für Billig-Flieger kommt es aber zu bizarren Ausuferungen der Öko-Manie. Ich nehme diese wahnwitzige Werbestrategie als Anzeichen für eine Öko-Werbe-Welle, bei der Produkt und Umwelt am Ende als eine harmonisierende Symbiose dargestellt und die Verbraucher verhohnepiepelt werden. Wie im Falle der Co2-reichen Flugreisen und dem Klima-Wandel. So wird ein Umdenken in der breiten Bevölkerung verhindert und die Hemmschwelle zum klimafeindlichen Lebenswandel gesenkt.
New Yorker Asthmatiker können aufatmen. Die Luft könnte sich im Laufe der nächsten Jahre verbessern.
Bürgermeister Michael Bloomberg kündigte am 22. Mai 2007 an, die 13000 Taxis der Stadt durch gas- und strombetriebene Autos ersetzen zu wollen.
Momentan bewegen sich 375 dieser Hybridfahrzeuge auf New Yorker Straßen, 1000 sollen es bis 2008 noch werden. Weitere 20% der Fahrzeuge sollen jährlich bis 2012 ausgetauscht werden. Die Stadt bereite auch die Inbetriebnahme von hybriden Bussen, Müllfahrzeugen und Autos vor, so der Bürgermeister.
Bloombergs Nachhaltigkeitsstrategie zielt darauf ab, CO2-Emissionen bis 2030 um 30% zu verringern. In der „alten Welt“ ist das Ziel der EU noch höher gesteckt; hier will man die durchschnittlichen CO2-Emissionen aller Neuwagen bis 2012 auf 120 Gramm pro Kilometer senken. Trotzdem – was die Effektivität anbelangt, sind die New Yorker schneller. Bloomberg möchte schadstoffreiche Taxis durch klimaschonende austauschen, was die positiven im Vergleich zu Europa beschleunigen würde. In der EU werden alte, umweltschädliche Fahrzeuge wahrscheinlich für mindestens zehn weitere Jahre im Betrieb bleiben.
Tempolimit, hohe Steuern für Co2-Sünder oder Schwindel erregende Benzinpreise. Schön und gut. Aber warum kompliziert leben, wenn es auch einfacher geht? Im Blog des Sundance Channels, dem Green Blog, bloggt man in dieser Woche zum Thema „Drive.“
Der Titel klingt schön dynamisch und erfasst den Kern der Sache. Der Autor beschreibt das notwendige Bedürfnis des Menschen nach Transport und über die damit logische Verknüpfung mit der Abhängigkeit. Die Abhängigkeit von der nächst gelegenen Tankstelle, mit der wir wiederum gemeinsam auf eine weltweite Kette von Öl- und Gaslieferanten angewiesen sind. „Centralization“ nennt man diese Form der Versklavung im Englischen.
Dazu zeigt der Blog den Film „big ideas for a small planet: a no gas computer vehicle“.
Auch bei uns bricht schleichend eine neue Ära an. Die Zeit ist überreif für eine Lösung, die weg vom Voll-Benziner geht. Herr Tiefensee fährt jetzt mit Wasserstoff, weitere alternative Fahrweisen befinden sich in der innovativen Testphase.
Es wird dauern, ja, vielleicht. Auto-Fans und stolze Sportwagen-Besitzer werden die Letzten sein, die sich überzeugen lassen. Sie hätten am meisten unter der Umstellung auf alternativ betriebene Fahrzeuge zu leiden. Auch wenn es da auch schon ganz schicke Lösungen gibt.
Irritiert betrachten sie vorbei fahrende Smart-Lenker, die ihren Elefantenrollschuh im Gewimmel des Stadtverkehrs in winzigen Lücken parken.
Nein, so wollen sie wirklich nicht enden.
Alternative Kraftstoffe müssen her
Wie denn nun? Was aber, wenn das Öl und damit das Benzin zu Goldpreisen am Markt gehandelt wird – wenn die Umstellung auf alternative Treibstoffe nicht nur aus Umweltgründen dringlich wird?
Hybrid- oder Brennstoffzellenfahrzeuge und Kraftstoffe wie Ethanol, Biodiesel oder Brennstoffe aus Biomasse heißen einige Perspektiven aus der Ideenschmiede der Forschung und Entwicklung. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) hat jüngst einen „Motor für alle Brennstoffe“ zum Laufen gebracht. Dieser Motor auf der Basis eines Freikolbenmotors kann mit unterschiedlichen Brennstoffen betrieben werden und verwandelt die Treibstoffe dann in elektrische Energie.
Sind die alternativen Kraftstoffe ein Allheilmittel gegen den Co2-Ausstoß im weltweiten Autoverkehr?
Nein! sagt Lester Brown, Präsident des Earth Policy Institute in Washington und Autor des Buchs „Plan B 2.0 Mobilmachung zur Rettung der Zivilisation“:
„Die gewaltige Zahl von Biodiesel- und Ethanolfabriken, die im Bau oder in Planung sind, könnte dazu führen, dass schon in naher Zukunft nicht mehr genügend Getreide für den menschlichen Verzehr zur Verfügung steht. Kein Zweifel: Die Bühne ist frei für den Konflikt zwischen den 800 Millionen Autobesitzern und den weltweit 2 Milliarden Allerärmsten, die nur überleben wollen.“
Ist es dann egal, an welcher Stelle wir Ressourcen verbrauchen, welche Möglichkeit ist die Bessere? Bei uns jedenfalls wären rund 70% der Autofahrer bereit, vom Benziner auf ein Hybrid-Fahrzeug umzusatteln. Dieses Ergebnis kam zumindest bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS/Infratest heraus.
Klima schonender David gegen Abgas pustenden Goliath
Persönliches – und euopäisches – Umdenken ist besiegelt. Aber werden die klimafreundlichen Maßnahmen erhoffte positive Effekte bringen? Einige Beobachter weisen nämlich darauf hin, dass zunehmende Autonutzung (insbesondere in China und Indien) den Fortschritt, der im Sinne unseres Klimas durch die Einführung umweltverträglicherer Autos erzielt worden ist, wieder zunichte machen.
Können wir in diesen Ländern überhaupt etwas erreichen? Die energiefressenden Aufschwungsländer gegen das in einer Blase des Umweltschutzes schwimmendes Europa?
David geht mit guten Absichten voran – und Goliath ist dann doch nicht zu stoppen. Was können wir tun?
„Ja, im Namen des Weltklimas würde ich mehr Geld für Mobilität ausgeben.“ Das haben 62% der Befragten in einer repräsentativen Forsa-Umfrage gesagt. Die Geiz ist Geil-Strategie greift vor dem Hintergrund globaler Gemeinschaftsaufgaben also überhaupt nicht. Zumindest in einigen Teilen der Bevölkerung.
Wie steht es aber um unsere Vernunft, wenn Schnäppchen-Angebote in die Sonne, die Berge oder europäische Shopping-Metropolen locken? Um es ganz direkt zu sagen: Wenn es um „Nix-wie-weg“-Flugreisen und damit eine Reise in der Kerosin-Schleuder geht? Das Bedürfnis der Reisenden nach größtmöglicher Bequemlichkeit bei kleinstmöglichen Tarifen scheint instinktiv verankert zu sein.
Und weil der Billigflieger im Wettbewerb um die innereuropäischen Kunden den bislang teureren Zug abgehängt hat, schmieden europäische Bahner gegen die Dumpingpreise einen Plan: Sie wollen eine Allianz namens “Railteam” bilden.
Wird das Bündnis etwas bringen? Wie sehr müssten Bahnpreise sinken und Flugpreise steigen, damit die Rechnung aufgeht. Wahrlich – Europa ist kein Riesen-Kontinent, ein Norddeutscher könnte Bella Italia gut und gerne auf Rädern erreichen. Eine Zugfahrt von Hamburg nach Mailand zum Beispiel dauert derzeit insgesamt 13 Stunden, ihr stehen circa 5 Stunden Flugreise gegenüber, die Anfahrt zum Flughafen, Abfertigung, Wartezeit, Ankunft, Passkontrollen, Gepäckausgabe und die Fahrt ins Mailänder Zentrum eingerechnet.
Wer verzichtet aber auf den Flieger? Wer macht mit? Und vor allem – ab welchem Preis?
Schadstoffemissionen durch Kerosin steigen und steigen
Um 73 Prozent sind dieweltweiten CO2-Emissionen von EU-Flugzeugen zwischen 1990 und 2003 gewachsen, was einer jährlichen Zuwachsrate von über vier Prozent entspricht. In diesem Tempo wird, so ein Bericht der Europäischen Kommission, die Zunahme der Emissionen aus dem Luftverkehr mehr als ein Viertel der Reduktionen neutralisieren, die das Kyoto-Ziel der EU bis 2012 vorsieht.
Trotzdem reißt das Geschäft mit den Sparpreisen nicht ab. Im Gegenteil. Als Reaktion auf das zwischen der EU und den USA getroffene Open Skies Abkommen werden zukünftig Zehn-Euro-Flüge nach New York in das Programm der Low-Cost-Carrier aufgenommen. Die Zahl der Passagiere zwischen den beiden Kontinenten stiege dann möglicherweise innerhalb von fünf Jahren von 50 auf 75 Millionen pro Jahr. Wiederum könne das Abkommen zehntausende Arbeitsplätze schaffen und beiden Partnern Kosteneinsparungen von bis zu 12 Milliarden Euro bringen, prognostiziert eine EU-Studie.
Big Apple ab zehn Euro – Emmissionshandel nur für Idioten?
Flugreisende werden billige Transatlantik-Flüge voraussichtlich ab 2010 mit der irischen Airline Ryanair buchen können. Fünf bis sechs US-amerikanische Städte will Ryanair anfliegen, kündigte der als Querkopf bekannte Ryanair-Chef Michael O’Leary in der Internet-Ausgabe von „Flight International“ an. Kerosinschleudern – na und? Emissionshandel sei etwas für Idioten, meinte O’Leary in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:
„… Wir sollten dagegen sein. Der Luftverkehr ist für zwei Prozent der Emissionen verantwortlich – wir sollten ihn billiger machen und nicht teurer. Wir haben so viel in neue Technologien investiert, dass der Ausstoß pro Passagier immer weiter sinkt. Aber diese Idioten sind ja besessen davon, ja nur politisch korrekt zu sein und bei der Umweltlobby nicht anzuecken. …Den Luftverkehr weiter zu besteuern wird überhaupt nichts bringen. Sie können die Fliegerei zwei Jahre lang komplett einstellen, und es wird nichts ändern. Wenn Sie wirklich was tun wollen, sollten sie sich mal um Kraftwerke kümmern, die sind für 26 Prozent verantwortlich. …Die ganze Debatte ist doch sowieso absurd: Russland wird nichts machen, die USA auch nicht, Asien auch nicht. Die lachen doch über diese Liberalen aus der europäischen Mittelklasse, die ach so besorgt sind. Die Chinesen nehmen jede Woche ein neues Kraftwerk in Betrieb.“
Warnende Stimmen vertreten eine andere Meinung: der Weltklimarat berichtet
„Keine Form der Mobilität ist klimaschädlicher als das Fliegen. Die Emissionen, die bei der Verbrennung des Flugzeugtreibstoffs Kerosin entstehen, bestehen überwiegend aus Kohlendioxid sowie aus Wasserdampf, Stickoxiden, Sulfat- und Ruß-Aerosolen. Die Kombination dieser Stoffe hat nach Einschätzung des Weltklimarates IPCC eine zwei- bis viermal stärkere Treibhauswirkung als die gleiche Menge am Boden abgegebener Schadstoffe. Abgaspartikel, an denen Wasserdampf aus der Luft kondensiert, sind zudem verantwortlich für die Bildung von Kondensstreifen und hohen Schleierwolken. Diese vermindern ebenso wie die Treibhausgase die Wärmeabstrahlung der Erde.“ heißt es in dem im März 2007 heraus gegebenen Bericht „Klimawandel und Verkehr“ des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).
Trotzdem triumphiert in dieser Diskussion bislang Herr O’Leary, werden doch auf Kerosin keine Steuern und auf Flugtickets keine Mehrwertsteuer berechnet und bleibt die Flugbranche damit bislang von den Folgekosten des Klimaschutzes unberührt.
Sprecher anderer Airlines, wie Thomas Winkelmann, Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings, argumentieren damit, dass im Wettbewerb gleiche Chancen bestehen und wenn überhaupt, die Kerosinsteuer weltweit eingeführt werden müsse:
“Wenn, dann brauchen wir da eine weltweite Allianz. Die Zeit der Insellösungen ist vorbei. Wenn Sie eine Flugökosteuer nur für die EU machen, freuen sich unsere Freunde in der Schweiz. Wenn Sie’s nur für Europa einführen, jubelt Emirates in Dubai, und die werden ohnehin mächtig subventioniert.”
Aktuell plant die europäische Kommission für Verkehr, laut eines Berichts der Abgeordneten Caroline Lucas, “ein umfassendes Maßnahmenpaket einschließlich rechtlicher, wirtschaftlicher, technologischer und operativer Instrumente”. Dieses Paket beinhaltet u.a. die Einführung von Kerosinsteuern auf alle Inlands- und alle Flüge innerhalb der EU. Zusätzlich plant man eine Verbesserung des Lufverkehrs-Managements durch die der Treibstoffverbrauch um acht bis achtzehn Prozent reduziert werden könne, eine Senkung der Emissionen versteht sich dadurch von selbst. Über die Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung zur Gewährleistung fairer Wettbewerbsbedingungen wird derzeit diskutiert.
Ein schöner Gedanke – einfach mit dem Taxi nach Paris fliegen. Zu schön um wahr zu sein, nur leider grau vernebelt durch bedrohliche Schadstoffe. Wie lange darf und wird es die fliegenden Europa-Taxis noch geben?
Wer bloggt denn hier?
Herzlich Willkommen. Ich bin Silke König, Autorin dieses Blogs. Ein Blog von berlinpolis, in dem sich alles rund um unser mobiles Leben und den Klimaschutz dreht.