
„Mit dem Boot da! Nee! Damit fahre ich nicht. In so ner Nussschale doch nicht!“ meinte meine Freundin Jenny damals bei Klassenausflug im Hamburger Hafen. Empört drehte sich darauf ein bäriger Mann im Strickpulli zu uns um: „Boaarkasse heißt doas!“ Von jenem Tag an wussten wir ein für alle Mal, dass die Nussschale keine Nussschale ist, sondern eben eine Barkasse.
Für uns war es damals etwas besonderes, dass wir mit dem Boot fahren wollten. Denn die gewöhnliche Landratte vergisst die Schifffahrt als mögliche Variante der Fortbewegungsweise schon einmal. Autofahrt, Bahnfahrt, Busfahrt und Radfahrt zieht sie eigentlich eher in Betracht. Abgesehen von Ausflugstouren und Seevergnügen der besonderer Art bewegen sich im Großen und Ganzen doch eher Güter als Menschen auf dem Meer. Ganz anders sieht es da beim Güterverkehr aus. Die Container-Schifffahrt boomt. Nicht nur die Weltflotte und die Schiffe sind so groß wie noch nie, sondern auch die Häfen platzen aus allen Nähten.
Die Containerbranche zählt zu den florierendsten Wirtschaftzweigen der letzten Jahre. In den weltgrößten Containerhäfen Hongkong und Singapur werden im Jahr mehr als 23 Millionen TEU (20-Fuß Standard-Container) umgeschlagen. Und die Häfen wachsten ständig weiter. Der Hamburger Hafen, mit 8,9 Millionen TEU Jahresumschlag in 2006 der achtgrößte Containerhafen der Welt, legt beim Containerumschlag ständig in zweistelligen Raten zu.
Hier einige Zahlen zur europäische Schifffahrt:
- 25% der Weltflotte segelt unter der Flagge eines EU-Mitgliedstaates.
- Insgesamt 40% der Flotte wird von den EU-Unternehmen kontrolliert, fast 90% der Exportgüter und 40% der innereuropäischen Güter werden auf dem Seewege transportiert.
- Ungefähr 1 Milliarde Tonnen Erdöl passieren Jahr EU-Häfen und europäische Gewässer.
- Jährlich werden 350 Millionen Passagiere von europäischen Schiffen befördert.
http://www.euractiv.com/de/verkehr/sicherheit-seeverkehr/article-157064
Und – die Schattenseite der Seefahrt: Jährlich verunglücken über 1000 Schiffe und 3000 Menschen kommen ums Leben.
Wenn Schiffe gegen internationale Sicherheitsregeln verstoßen und tonnenweise Dreck zu Wasser lassen, hat das verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und schädigt die Fischerei- und Tourismusbranche. 2002 geriet der Tanker „Prestige“ vor der Spanischen Küste in Seenot. Er verlor mehr als 63.000 Tonnen Schweröl und verursachte die bislang schlimmste Umweltkatastrophe Spaniens.

Luftaufnahmen von schwarzen Ölteppichen hat man da vor Augen. Neuerdings versucht die EMSA – die Europäische Agentur zur Sicherheit des Seeverkehrs – mit Satellitenbildern, Sündenböcke aufzuspüren und zur Verantwortung zu ziehen. Zu spät für die Umwelt natürlich, aber zur Vermeidung Minderung der Verschmutzungen allgemein sicherlich ein kleiner Schritt nach vorn.
Kreuzfahrtschiffe! Die schwimmenden Komfort-Hotels und deren Auswirkungen auf das Klima sind wieder ein neuer Themenabschnit…
